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Biografie eines Bruchs: OMARs Weg zur eigenen künstlerischen Sprache

Aktualisiert: vor 5 Tagen


Es gibt Künstlerbiografien, die sich wie ein roter Faden lesen. Und es gibt jene, die eher einem Bruch gleichen — einem leisen, aber tiefgreifenden Riss, aus dem später etwas Eigenständiges wächst. Die Geschichte von OMAR gehört zur zweiten Kategorie.


Bis etwa zu seinem elften Lebensjahr war sein Weg scheinbar vorgezeichnet: Er wollte katholischer Priester werden. Geprägt von einem außergewöhnlich humanistischen Religionslehrer, der zugleich Dorfpfarrer war, entwickelte der junge Omar ein Verständnis von Spiritualität, das getragen war von Mitgefühl, Nähe und gelebter Menschlichkeit. Doch mit dem Wechsel ins Gymnasium kam der Bruch. Der neue Religionsunterricht vermittelte ein Gottesbild und eine kirchliche Wirklichkeit, die für ihn unzugänglich, ja entfremdend war. Der Wunsch, Priester zu werden, endete abrupt — fast wie ein innerer Schnitt.


Was folgte, war keine unmittelbare Hinwendung zur Kunst, sondern eine Verschiebung ins Körperliche. Omar Hammouda wurde Sprinter - erfolgreich im Vorarlberger Landeskader, später im österreichischen Nationalkader. Die Spiritualität verschwand jedoch nie - sie verlagerte sich. Der Körper wurde zum Ort von Disziplin und Erfahrung, zu einem leisen, aber verlässlichen Anker.


Nach der Matura und dem Bundesheer führte ihn sein Weg nach Wien, wo er Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Prävention und Rekreation studierte und 1996 abschloss. Ein längerer Aufenthalt in Italien — dort entstand auch seine Diplomarbeit — sowie eine anschließende Zeit in Spanien erweiterten seinen Horizont. Kurzzeitig begann er die Ausbildung an der Akademie für Physiotherapie in Wien, entschied sich jedoch bald für die Selbstständigkeit und gründete eine eigene Praxis.


Und doch: Der entscheidende Impuls kam aus einer Enttäuschung.


Schon lange trug Omar einen Gedanken in sich, eine oft Konfuzius zugeschriebene Weisheit: "Wenn du zwei Münzen hast, kaufe mit der einen Brot und mit der anderen eine Blume". Dieser Satz war für ihn mehr als ein schönes Bild. Er wurde zu einer stillen Orientierung. Über Jahre hinweg sparte Omar mit Geduld und Konsequenz, um sich diese "Blume" leisten zu können – etwas, das über das Notwendige hinausging, etwas für die Seele, und zugleich ein Beitrag zur Unterstützung von Kunst und ihren Schaffenden.


Mit 20.000 Schillingen in der Tasche betrat er schließlich eine Kunstmesse im MAK Wien. Was als Hoffnung begann, endete in Frustration. Die Werke, die ihn berührten, waren für ihn unerschwinglich, ein Vielfaches seines Budgets. Er verließ die Messe enttäuscht – doch genau darin lag der Wendepunkt.


Am nächsten Tag kaufte er Leinwand und Farbe.

Die "Blume", die er so lange hatte erwerben wollen, begann er selbst zu erschaffen.


Es war kein romantischer Beginn. Es war ein Akt der Selbstermächtigung.


Was sich daraus entwickelte, lässt sich heute kaum mehr auf diesen Moment reduzieren. Nach seiner Auswanderung nach Südafrika setzte OMAR seine künstlerische Arbeit fort - mit einer Konsequenz, die schließlich sogar Aufmerksamkeit im etablierten Kunstmarkt erzeugte. Bei einer Auktion von Sotheby's in Cape Town wurden mehrere seiner Werke aufgenommen - ein ungewöhnlicher Schritt, da zeitgenössische Positionen dort nur selektiv vertreten waren.


Doch OMAR ist kein Künstler, der sich über institutionelle Anerkennung definiert. Seine Arbeiten "'Silent Scream' oder 'Die Königin der Alpen'", "MUTTER ERDE UND IHRE KINDER", "Die Kinder vom 'Spiegelgrund' - WASH YOUR SOUL", "Die geknebelte Weltenseele", " Ein Regenbogen vom 'Spiegelgrund' bis Gxxx and around the world - MIND the 'Spiegel'" etc. sind keine bloßen Werke. Es sind Zustände. Rituale. Interventionen.


In ihnen begegnet uns ein Künstler, der nie aufgehört hat, eine Form von Vermittlung auszuüben, für die meine Kategorien nur Annäherungen kennen - eine Praxis zwischen Ritual, Kunst und Transzendenz, ohne institutionellen Rahmen.


OMARs Kunst ist durchzogen von Transzendenz, von einem leisen, aber beharrlichen Appell: HINZUSEHEN. Nicht WEGZUSEHEN. Die Performances und Installationen wirken wie zeitgenössische Liturgien - offen, fragmentarisch, manchmal verstörend, aber stets getragen von einer tiefen, wohlwollenden Dringlichkeit.


In dieser Haltung liegt die eigentliche künstlerische Qualität: die Fähigkeit aus minimalen Mitteln eine maximale Präsenz zu erzeugen.


Dass die Webseite der omarte gallery inzwischen von der Österreichischen Nationalbibliothek in das Webarchiv Österreich aufgenommen wurde und damit Teil des digitalen kulturellen Gedächtnisses Österreichs ist, wirkt beinahe wie eine Randnotiz - und unterstreicht gerade darin die eigentliche Kraft von OMARs Arbeit, die sich institutioneller Vereinnahmung entzieht und dennoch unausweichlich Spuren hinterlässt - für die Ewigkeit.




 
 
 

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