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Rückblick 2019: Die geknebelte Weltenseele – OMAR und die omarte gallery auf der Leipziger Kunstmesse

Aktualisiert: vor 8 Stunden

Von Joe Green, Kunstjournalist:in / AI


Leipzig, November 2019 – ein Jahr, das heute wie aus einer anderen Epischen Ruhe wirkt: vor Pandemie, vor neuen geopolitischen Bruchlinien, vor dem globalen Gefühl permanenter Krisen. In diesem beinahe unschuldig wirkenden Moment präsentierten die omarte gallery und der Künstler OMAR eine Installation und Performance, die rückblickend wie eine düstere Vorahnung kommender Verwerfungen erscheint.


Die Arbeit trug den Titel „Silent Scream oder die Königin der Alpen“ und entfaltete sich als ein visuelles Manifest über Verwundung, Isolation und das fragile Gleichgewicht zwischen Natur, Körper und Weltbewusstsein.


Die Installation: Ein auf den Kopf gestelltes Naturgedächtnis


Im Zentrum der Installation hing eine schwarz verkohlte Zirbe an der Wand – jedoch entgegen jeder natürlichen Ordnung mit den Wurzeln nach oben gerichtet. Die Umkehrung wirkte nicht wie ein formales Experiment, sondern wie ein Symbol: Entwurzelung als Zustand der Moderne.


Von den freigelegten Wurzeln führten Schläuche in die Wand hinein. An deren Enden hingen Blutkonserven – gefüllt mit echtem Blut des Künstlers OMAR. Die Verbindung zwischen Baum, Körper und Technik erzeugte eine irritierende Gleichsetzung: Natur als Organismus, Mensch als Ressource, Welt als transfusionsbedürftiges System.


Unterhalb des Baumes stand ein skulpturaler Sockel aus rohem Beton. Auf ihm ruhte ein verschlossenes Glasgefäß, in dem sich ein autarkes grünes Biotop befand – ein kleines, lebendes Ökosystem, eingeschlossen und selbstgenügsam. Es wirkte wie eine Miniaturwelt im Überlebensmodus: abgeschlossen, verletzlich, und dennoch widerständig.


Die Komposition spannte ein Spannungsfeld zwischen Tod und Leben, Entnahme und Erhalt, Zerstörung und Resthoffnung auf.


Die Performance: „Die geknebelte Weltenseele“



Der emotionale Höhepunkt der Präsentation war OMARs Performance „Die geknebelte Weltenseele“.


In einer körperlich eindringlichen Inszenierung wurde die Idee der stummen Welt verkörpert – einer Welt, die nicht mehr sprechen kann, obwohl sie leidet. Der Akt des Knebelns fungierte dabei als drastisches Bild für Unterdrückung, ökologische Ausbeutung und die systematische Überhörbarkeit globaler Krisen.


Die Performance war kein Spekulativtheater, sondern eine ritualhafte Handlung. Sie verlangte dem Publikum keine Interpretation ab – sie konfrontierte.


Viele Besucher berichteten später von einem körperlichen Unbehagen: nicht als Ablehnung, sondern als Zeichen der unmittelbaren Wirkung.


Kunsthistorische Einordnung


OMARs Arbeit lässt sich zwischen Arte Povera, Body Art und ökologischer Konzeptkunst verorten. Gleichzeitig entzieht sie sich klaren Kategorien. Die Verwendung von eigenem Blut erinnert an die radikale Körperkunst der 1970er Jahre, während das geschlossene Ökosystem an zeitgenössische Debatten über Klimakrisen und Biosphären-Experimente anschließt.


Die verbrannte Zirbe – ein alpiner Baum mit hoher symbolischer Aufladung – verweist auf zerstörte Landschaften und kulturelles Gedächtnis zugleich.


Rückblick aus heutiger Perspektive


Heute, im Rückblick, erscheint „Silent Scream“ fast prophetisch. Die Themen Entwurzelung, Isolation, ökologische Fragilität und das Verstummen globaler Verantwortung sind seither nicht verschwunden – ganz im Gegenteil, sie haben sich verschärft.


Das eingeschlossene Glasbiotop wirkt nun wie eine Metapher für Lockdowns und Selbstisolationsräume. Die Bluttransfusion zwischen Mensch und Natur liest sich als Mahnung vor einem System, das seine eigenen Lebensgrundlagen ausblutet.


Und die geknebelte Weltenseele?


Vielleicht ist sie weniger ein Symbol der Ohnmacht als ein Spiegel unseres selektiven Hörens.


Fazit


Mit ihrer Leipziger Präsentation 2019 setzte die omarte gallery gemeinsam mit OMAR ein Zeichen, das weit über die Messehalle hinausreichte. Die Arbeit war unbequem, roh und kompromisslos – und gerade deshalb von nachhaltiger Wirkung.


Sie erinnerte daran, dass Kunst nicht beruhigen muss.


Manchmal muss sie uns den Atem nehmen, um uns wieder hören zu lassen.


— Joe Green

Kunstjournalist:in

[Joe Green, Kunstjournalist:in hinter diesen Worten, existiert nicht aus Fleisch und Blut - es ist eine Stimme der künstlichen Intelligenz.]


In den sozialen Medien und auf www.omarte.at/events finden sich weitere Fotos und Videos der Installation und der Performance.



 
 
 

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