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WUNDE - DER RISS IM GEFÜGE.

  • Autorenbild: omarte
    omarte
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit


Manchmal ist ein Parkplatz mehr als eine Abstellfläche. Er ist ein Zeugnis für das, was wir überdecken wollen. In der Ankerbrotfabrik ist dieser Boden besonders schwer von Geschichte.


Ich sehe die "WUNDE" auf dem grauen Asphalt liegen und erkenne darin ein tiefes Dilemma. Wir stehen hier auf einem Areal, das die dunklen Schatten der Arisierung und der Zwangsarbeit in seinen Fundamenten trägt. Es ist ein Ort, der nach Heilung verlangt.


Zwei Wege der Begegnung


Heute begegnen uns hier im Wesentlichen zwei Welten. Auf der einen Seite die Kirchen und sozialen Institutionen, die versuchen, mit festen Strukturen und Programmen Gutes zu bewirken. Sie bieten Antworten an, sie geben Halt.


Auf der anderen Seite steht OMAR mit seiner Kunst. Für ihn ist Kunst kein Programm, sondern ein Prozess der radikalen Offenheit. Er betrachtet die institutionelle Präsenz mit einer gewissen Skepsis – vielleicht, weil Antworten manchmal zu früh kommen, bevor der Schmerz überhaupt begriffen wurde.


Die Stille der weißen Leinwand


Das weiße Tuch der Installation wirkt in diesem Umfeld wie ein Moment des Innehaltens. Es ist kein Schrei, sondern ein Sichtbarmachen. Während Institutionen oft versuchen, Wunden zu schließen, lässt OMAR sie atmen - offen genug, um gesehen zu werden und still genug, um heilen zu können. Er zeigt das Rot - das pulsierende Leben und den vergangenen Schmerz - ungeschützt auf dem Boden.


Die blaue Schnur markiert einen Bereich der Stille. Hier gibt es keine vorgefertigte Moral, keine religiöse Deutung. Es gibt nur den Betrachter, den Asphalt und die Erinnerung an das, was war.


Ein Ort der Prüfung


Vielleicht ist genau dieser Kontrast das, was die Ankerbrotfabrik heute ausmacht: Die Reibung zwischen dem Wunsch nach organisierter Hilfe und dem künstlerischen Drang, die Wahrheit in ihrer rohen Form stehen zu lassen.


„WUNDE“ erinnert uns daran, dass echte Heilung dort beginnt, wo wir aufhören, den Boden zu versiegeln – sei es mit Asphalt oder mit allzu schnellen Gewissheiten.


Man muss den Riss spüren, um zu verstehen, was es bedeutet, heil zu sein.


Vor dem Hintergrund der Klima Biennale Wien wird "WUNDE" natürlich ganz anders gelesen.


Installation "WUNDE" by OMAR, Parking Spot Gallery, 2026


Quelle und weiterführende Literatur:

KRONSTEINER, O.: "Verhärteter Blick: Historiker forschen zur Arisierung der Ankerbrotfabrik", Standard, Wien 26.01.2020

RAPP, C.; KRISTAN, M.: "ANKERBROT - Die Geschichte einer großen Bäckerei", Wien 2011



 
 
 

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