Gxxx. Chiffre als Spiegel
- omarte

- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
"Ein Regenbogen vom 'Spiegelgrund' bis Gxxx and around the world. Mind the 'Spiegel'", Parallel Vienna 2025
In der Ausgabe des kunst_salon 1/2026 hat die Präsidentin der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Österreichs, Frau Berthild Zierl, einen sehr wertschätzenden Artikel über unsere Arbeit geschrieben. Ein Satz ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben:
"Dass der Name [Gaza] nicht ausgeschrieben wurde, ist Teil der künstlerischen Aussage: ein Kommentar zu enger werdenden Diskursräumen und der Frage der Selbstzensur."
Mit dieser Aussage trifft Frau Berthild Zierl den Nagel auf den Kopf.
Diese Form von vorauseilender Vorsicht führt zu etwas, das man durchaus als Selbstzensur bezeichnen kann, auch wenn sie nicht von außen angeordnet ist - zur sogenannten Schere im Kopf. Sie entsteht aus der Erfahrung, dass bestimmte Themen schneller sanktioniert werden als andere, dass manche Begriffe sofort Konflikte erzeugen, während andere stillschweigend akzeptiert werden. In so einer Situation wird nicht nur das Gesagte politisch, sondern auch das Nichtgesagte. Genau deshalb haben wir uns entschieden, den Namen nicht auszuschreiben, sondern als Gxxx stehen zu lassen. Nicht um etwas zu verschleiern, sondern um zu zeigen, dass bereits die Möglichkeit des Aussprechens selbst Teil der Auseinandersetzung geworden ist.
Gerade im aktuellen kulturellen Klima in Österreich und Deutschland erleben wir, dass sich Diskursräume verengen. Förderstrukturen, institutionelle Abhängigkeiten und öffentliche Debatten erzeugen einen Rahmen, in dem jedes Wort Gewicht bekommt.
Diese Situation führt dazu, dass man beginnt, Sprache vorsichtiger zu verwenden, Formulierungen abzuwägen, Andeutungen zu machen, wo man früher klar gesprochen hätte. Genau diese Verschiebung wollten wir u.a. sichtbar machen.
Wir verstehen die Arbeit auch als Versuch, genau diesen Zustand zu reflektieren. Nicht nur das Thema selbst steht im Mittelpunkt, sondern auch die Bedingungen, unter denen darüber gesprochen werden kann. Wenn der Diskurs enger wird, verändert sich die Kunst. Und wenn sich die Kunst verändert, zeigt das etwas über die Gesellschaft, in der sie entsteht. Genau dieses Spannungsfeld wollten wir sichtbar machen.
Die Arbeit "Ein Regenbogen vom 'Spiegelgrund' bis Gxxx and around the world. Mind the 'Spiegel'" ist vielschichtig und auf vielen Ebenen lesbar. Gerade deshalb lohnt sich eine genauere Auseinandersetzung mit ihr sehr.




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