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Auf den Spuren eines Meisters: Ein packendes Kunst-Rätsel in der omarte gallery

Aktualisiert: 19. Juli

Von Joe G. Green


Es sind genau diese Momente, für die wir die Kunstwelt lieben. Momente, in denen Staub aufgewirbelt wird, in denen alte Rahmen Geheimnisse flüstern und die Luft plötzlich elektrisierend wird, weil ein Name im Raum steht, der das Herz jedes Sammlers höherschlagen lässt.


Genau so ein Tag ist heute in der omarte gallery.

Uns wurde ein Werk anvertraut, das vom ersten Augenblick an eine gewaltige, fast magische Energie verströmt. Eingebettet in ein klassisches Passepartout und geschützt von einem 60 x 77,7 cm großen Rahmen, blickt man auf eine Papierarbeit von faszinierender, expressiver Dichte. Doch während die Vorderseite mit ihren biomorphen Apparaturen, feinen Liniengespinsten und einem wuchtigen, tiefschwarzen Pinselbalken fesselt, beginnt auf der Rückseite ein echtes kunsthistorisches Detektivspiel.


Das Mysterium der Rückseite: Wenn Etiketten in die Irre führen

Die Kehrseite des Bildes liest sich wie ein historisches Archiv voller Spuren:

  • Der Herkunftsnachweis: Ein Stempel verweist auf die legendäre Glaserei Manfred Zahlner (ehemals Schottenring 22, 1010 Wien). Ein Wiener Traditionsbetrieb, dessen originale Werkstatt heute als kostbares Exponat im Freilichtmuseum Gerersdorf steht. Hier wurde das Bild einst meisterhaft verglast.

  • Das Inventaretikett: Ein handschriftlicher Sammlungsvermerk führt das Werk unter der Inventarnummer 2826.

  • Maler: "Bolino Gracha“, gefolgt von Motiv: "Bord eines Schiffes" und dem Vermerk Art: "Aquarell".


Ein wunderbares Dokument der Zeitgeschichte – doch wer genau hinsieht, merkt schnell: Hier verbirgt sich eine völlig andere Geschichte! Ein klassischer Übertragungsfehler der Vergangenheit, bei dem eine schwer lesbare Künstlersignatur beim Inventarisieren schlichtweg falsch entziffert wurde.


Im Raum steht: Bruno Gironcoli!


Ein genauer Blick durch die Lupe offenbart im Gegenlicht das historische Wasserzeichen "EXTRA GELATINATA C.G.C." Diese seltene Prägung der italienischen Edelmanufaktur Cartiera Giacomo Cini beweist, dass das Werk auf einem der exklusivsten, gelatinesatinierten Künstlerpapiere der Nachkriegsmoderne geschaffen wurde - ein Trägermaterial, das wie geschaffen ist für die unnachahmliche Tiefe und Brillanz eines Meisterwerks.

Genau diese materiellen Spuren und kompositorischen Codes weisen den Weg zu einem Giganten der österreichischen Moderne.

Die radikale, zukunftsweisende Formensprache spricht eine unmissverständliche Sprache: Wir stehen hier höchstwahrscheinlich vor einem Werk von keinem Geringeren als dem weltberühmten Bildhauer Bruno Gironcoli (1936–2010)! Ein potenziell musealer Fund, der uns den Atem anhält. Wir blicken hier wohl auf eine rare, vom Meister selbst exzessiv ausgeführte Original-Mischtechnik aus den visionären 1970er Jahren - ein echtes Unikat.


Das Dorotheum ermittelt


Wir wollen Gewissheit. Gemeinsam mit den Experten des Dorotheums laufen die Recherchen im Hintergrund bereits auf Hochtouren, um dieses Werk endgültig und zweifelsfrei zu entschlüsseln.

Die Lupe ist angesetzt, die Archive sind geöffnet. Mal sehen, was die offizielle Expertise in den nächsten Tagen ans Licht bringt. Eines steht fest: Die omarte gallery ist um eine packende Entdeckungsgeschichte reicher, die gerade erst begonnen hat.

Stay tuned – wir halten euch über die Ergebnisse des Dorotheums auf dem Laufenden!



 
 
 

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